Glaubwürdig kommunizieren: Warum Haltung für Unternehmen entscheidend ist

Team der B2B Communication Days • 5. August 2026

Lange Zeit galt für Unternehmen vor allem eines als Maßstab: ihr wirtschaftlicher Erfolg. Wer gute Produkte oder Dienstleistungen anbot und verlässlich arbeitete, musste sich über gesellschaftliche Positionierungen kaum Gedanken machen. Heute aber hat sich die Erwartungshaltung massiv verändert. Kunden, Mitarbeitende und Geschäftspartner möchten wissen, wofür Unternehmen stehen, welche Werte sie authentisch vertreten und ob und wie sie Verantwortung übernehmen.


Gerade im B2B, wo Entscheidungen selten spontan getroffen werden, und langfristige Partnerschaften zählen, wird glaubwürdige Kommunikation zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Doch Haltung lässt sich nicht einfach behaupten. Sie muss erkennbar, nachvollziehbar und im Unternehmensalltag verankert sein.


Gleichzeitig hat die inflationäre Verwendung von Begriffen wie „Innovation“, „Nachhaltigkeit“ oder „Verantwortung“ viele Botschaften entwertet. Zu oft bleiben Werte abstrakt, austauschbar und folgen bekannten Mustern. Aussagen wie „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“ oder „Wir leben Innovation“ wirken heute selten überzeugend, wenn sie nicht durch konkretes Handeln belegt werden.


Glaubwürdige Kommunikation entsteht deshalb nicht durch möglichst große Versprechen, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen, konkrete Beispiele und eine Haltung, die sich im täglichen Handeln zeigt.



Was bedeutet es, als B2B Player Haltung zu zeigen?


Kurz gesagt: Weniger Selbstdarstellung und mehr strategische Klarheit. Wofür steht ein Unternehmen? Und was lehnt es bewusst ab? Die Antworten auf diese beiden Fragen schaffen Orientierung und helfen dabei, eine glaubwürdige Position zu entwickeln. Haltung bedeutet dabei nicht, zu jedem gesellschaftlichen Thema Stellung beziehen zu müssen. Vielmehr geht es darum, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen, Prioritäten offenzulegen und auch Zielkonflikte transparent zu kommunizieren.


Ein Beispiel: Ein Unternehmen verzichtet bewusst darauf, sich als
„klimaneutral“ zu bezeichnen, weil dieses Ziel derzeit nur durch umfangreiche Kompensationsmaßnahmen erreichbar wäre. Stattdessen kommuniziert es offen, welche Fortschritte bereits erzielt wurden, wo noch Defizite bestehen und welche konkreten Schritte als Nächstes geplant sind. Das wirkt weniger perfekt – aber deutlich glaubwürdiger. Diese Transparenz schafft Vertrauen. Unternehmen müssen nicht fehlerfrei sein. Sie müssen nachvollziehbar handeln und ihre Entscheidungen lückenlos begründen können. 



Auch Herkunft entscheidet über Glaubwürdigkeit


Glaubwürdigkeit entsteht nicht allein durch Botschaften, sondern auch durch die Perspektive, aus der ein Unternehmen kommuniziert. Welche Erfahrungen prägen die Organisation? Welche Prioritäten werden im täglichen Handeln sichtbar? Und welche Themen gehören tatsächlich zur eigenen Identität?


Ein mittelständisches Unternehmen, das seit Generationen in einer Region verwurzelt ist, kann lokales Engagement häufig glaubwürdiger vermitteln als ein Konzern, der einen Standort vor allem aus strategischen Gründen gewählt hat. Nicht, weil das Engagement des einen grundsätzlich wertvoller wäre als das des anderen, sondern weil Herkunft, Geschichte und Nähe die Wahrnehmung von Haltung beeinflussen.


Gerade im B2B sind diese Faktoren ein Differenzierungsmerkmal. Produkte und Leistungen ähneln sich häufig, doch die Art, wie Unternehmen Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und ihre Werte im Alltag leben, schafft Orientierung und Vertrauen. Dabei gilt: Erfolge, Expertise und gesellschaftliches Engagement haben ihren festen Platz in der Unternehmenskommunikation. Voraussetzung ist jedoch, dass ihnen konkretes Handeln vorausgeht. Glaubwürdige Kommunikation folgt deshalb einem einfachen Grundsatz:
erst handeln, dann kommunizieren – und das transparent.


Welche Prinzipien dabei besonders wichtig sind, zeigt ein Blick auf die Grundlagen glaubwürdiger B2B-Kommunikation.


1. Verzichte auf Buzzwords.


Es gibt Worte, die durch inflationären Gebrauch zu Worthülsen geworden sind und so Glaubwürdigkeit untergraben: „innovativ“, „CO2-neutral“, „Mehrwert“ haben ihren kommunikativen Wert verloren und sind zu meiden. Kund:innen lesen das und fragen sich zu Recht, was die handfesten Benefits eines Produkts sind bzw. wofür ein Unternehmen wirklich steht.


2. Belege deine Aussagen.


Ohne Nachweise sind Behauptungen, besonders solche, die umweltbewusstes Handeln betreffen, schnell angreifbar – und wer keine Zahlen und Methodik liefern kann, riskiert Reputationsschaden.


3. Kommuniziere Herausforderungen.


Wer transparent über Rückschläge, noch nicht erreichte Ziele und Lücken in der eigenen Strategie spricht, wirkt glaubwürdiger als Unternehmen, die ausschließlich Erfolge kommunizieren.


4. Kommuniziere konsistent über alle Touchpoints.


Ein konsistenter Auftritt über alle Touchpoints hinweg stärkt Vertrauen, verbessert die Customer Experience und erhöht die Wiedererkennbarkeit einer Marke. Denn Haltung entsteht nicht durch einzelne Kampagnen, sondern durch die Summe aller Kommunikationsmaßnahmen – von der Tonalität über Themen und Geschichten bis hin zu konkreten Beispielen und belastbaren Nachweisen.


5. Lasse echte Menschen sprechen.


Menschen vertrauen Menschen mehr als anonymen Unternehmensstimmen. Genau deshalb sind Formate wie Corporate Influencing und Thought Leadership so wirksam: Sie geben Unternehmen ein Gesicht und machen Haltung, Expertise und Werte glaubwürdig erlebbar.


6. Stelle den Kundennutzen heraus.


Jedes Produktfeature gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn ihr konkreter Nutzen sichtbar wird. So kann ein Unternehmen statt der pauschalen Aussage
„mehr Effizienz“ anhand eines kurzen Praxisbeispiels zeigen, wie viele Stunden manueller Arbeit pro Woche entfallen und welche Einsparungen sich daraus ergeben.



Glaubwürdigkeit geht weit über ökologische Fragen hinaus


Wir haben in unserem Blogpost → So vermeiden Sie 4 häufige Greenwashing-Fallen bereits über Glaubwürdigkeit in der Nachhaltigkeitskommunikation gesprochen. Was aber, wenn das Thema noch viel größer ist und die Glaubwürdigkeit von Unternehmensaussagen über Diversity, Mitarbeiterfürsorge oder Innovationsbehauptungen infrage gestellt wird? Dieses Phänomen heißt „Purpose Washing“ und zieht sich durch die B2C- und B2B-Welt gleichermaßen. 


Der Unterschied ist nur: Ein Kaufprozess ist im B2B-Umfeld wesentlich komplexer und geht durch mehr prüfende Hände und Augen, da es um größere Budgets geht, die mehr Rechtfertigungsdruck aufbauen. B2B-Entscheider:innen sind professionelle Skeptiker. Sie enttarnen Aussagen ohne Belege und Substanz besonders schnell. Wie es besser geht, zeigen die folgenden zwei Beispiel-Cases.



Case: RAECKSgreen schafft glaubwürdigen USP durch Kooperation mit thyssenkrupp


Der RAECKSgreen-Case zeigt anschaulich, dass Unternehmen Haltung am besten durch Handeln zeigen: Das 2024 an den Markt gegangene E-Commerce-Startup RAECKSgreen produziert CO2-reduzierte Industrieregale. Eine Kooperation mit dem Partner thyssenkrupp sorgt für klimafreundlich produziertes Ausgangsmaterial (Stahl) und dafür, dass das Label „CO2-reduziert“ keine Augenwischerei ist, sondern grünes Commitment mit Nachweis. 


Mittels des digitalen greenability PCF-Rechners von thyssenkrupp können Kund:innen die CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehen. Mit dieser Strategie erstickt RAECKSgreen Zweifel an der Glaubwürdigkeit durch Transparenz und messbare Reduktion von Emissionen. RAECKSgreen verzichtet dabei bewusst auf CO2-Kompensation als scheinbar einfache Lösung und konzentriert sich stattdessen auf tatsächliche Emissionsvermeidung im Produkt selbst.


Doch für welche Werte steht RAECKSgreen mit diesem Vorgehen? Das Offensichtliche ist sicher die Nachhaltigkeit. Doch bei genauerem Hinschauen zeigt sich auch eine Präferenz zur Kundennähe: Kund:innen zahlen für die CO2-reduzierten Regalsysteme keinen Aufpreis und können im Onlineshop des Anbieters ihren Lagerbedarf in einem 3D-Regalkonfigurator modular planen. Dazu kommt, dass Kund:innen von RAECKSgreen ihre eigene Klimabilanz verbessern und eigenen ESG-Zielen näherkommen, wenn sie auf nachgewiesen klimafreundliches Equipment wie CO2-reduzierte Regalsysteme setzen. 


Der Case zeigt, dass wirtschaftliche Interessen mit ökologischer Verantwortung Hand in Hand gehen. Die Strategie ging auf: In der gemeinsamen Vermarktung wurden bereits über 100 CO2-reduzierte Regalsysteme verkauft und ausgeliefert – jeweils inklusive transparentem Nachweis zu Emissionen und konkreten Einsparungen. 


Dass dieser Ansatz in der Nachhaltigkeitskommunikation und im Sinne eines glaubwürdigen Marketings funktioniert, zeigt das Unternehmen in einem
Vortrag bei den B2B Communication Days im Oktober 2026 in Würzburg: RAECKSgreen veranschaulicht vom Konzept bis zur Markteinführung, wie sich grüne Verantwortung und Digitalisierung in der Markenbildung verbinden lassen.


Case: Borussia Dortmund – Vorbild für gelebte Markenwerte


Der BVB ist ein ungewöhnlicher, aber eindrucksvoller Best Case für glaubwürdig nach außen getragene Markenwerte. Das bescheinigt unter anderem das Hamburger Online-Marktforschungsinstitut Mafo.de, das 2024 18 Bundesligisten auf Image und Markengefühl getestet hat.
„Kein anderer Verein erhält von den Befragten solch hohe Werte bei Sympathie, Ehrlichkeit und Attraktivität.“ Auch die Kategorie „Glaubwürdigkeit“ führe der BVB an (BVB - Borussia ist die stärkste Marke der Liga).


Wie schafft der Fußballclub das? Der Claim
„Echte Liebe" ist Teil der Antwort. Er behauptet nicht, was der BVB ist, sondern beschreibt, was zwischen Verein und Fans tatsächlich passiert: Bindung. Sicherlich stärker emotionalisiert als in B2B Industrie-Kontexten, wird Haltung im Sport dennoch durch konkretes Engagement auch außerhalb des Sports getragen. So wurde etwa das Fanprojekt des BVB „Kick It Out“, das seit 1995 existiert, für sein Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus und Homofeindlichkeit 2019 von der UEFA mit dem #EqualGame Award ausgezeichnet (BVB - BVB und Kick It Out schließen sich zusammen). 



BVB und die Sesamstraße: Better together


Werte wie Fan-Nähe und gesellschaftliche Verantwortung zeigen sich außerdem in der Kooperation mit der Non-Profit-Organisation hinter der „Sesamstraße". Seit 2025 machen der BVB und Sesame Workshop zusammen Themen wie Bildung, Inklusion, Bewegung und Gesundheit für Kinder erlebbar. Die Partnerschaft wurde zum Weltkindertag erstmals öffentlich im Dortmunder SIGNAL IDUNA PARK präsentiert: mit Walking Acts, digitalen Inhalten und direkten Begegnungen zwischen Kindern und den Figuren aus der Sesamstraße.


Der BVB KidsClub mit rund 30.000 registrierten Kindern ist die dauerhafte Plattform für aktivierende und aufklärende kindgerechte Inhalte, um
„Kinder auf ihrem Weg zu begleiten und zu stärken“, wie Kerstin Zerbe, Managing Director BVB Merchandising erklärt. (BVB - Aus der Sesamstraße aufs Spielfeld: Sesame Workshop und BVB verkünden Zusammenarbeit). Initiativen wie der BVB KidsClub zeigen, dass der Verein über einmalige PR-Aktionen hinaus bleibende Plattformen schafft, die die Haltung und Markenwerte untermauern.



Digitale Markenidentität braucht Kanäle


Markenwerte nach außen tragen soll auch der noch junge BVB ClubHub. Hier zeigt der Verein deutliche Konsistenz in der digitalen Markenführung: Der BVB ClubHub wurde vom German Brand Award als Best Practice für digitale Vereinskommunikation ausgezeichnet (German Brand Award – BVB ClubHub). Als
„digitales Vereinsheim“ bündelt der ClubHub Einblicke und emotionale Inhalte für Fans, Sponsoren und Partner, um Markenwerte nach außen zu tragen. 


Die Haltung des BVB ist immer: Fußball ist mehr als Sport – der BVB ist dafür bekannt, die große Akzeptanz und Strahlkraft seiner Marke zu nutzen, um öffentlichkeitswirksam Gutes zu tun, Gemeinschaftssinn zu fördern und Verantwortung gegenüber der Community zu tragen. Das macht die Kooperationen mit Organisationen wie Sesame Workshop so glaubwürdig – sie passt ins Bild, die Werte passen zur Markenidentität. Der BVB muss sich nicht verbiegen. Er macht einfach das, wofür er steht, und wählt Partner, die das verstärken – gelebte Werte eben.



Glaubwürdige Werte schaffen Vertrauen


Kund:innen erkennen zunehmend, ob Werte lediglich kommuniziert oder tatsächlich gelebt werden. Deshalb reicht es nicht aus, Haltung zu formulieren. Sie muss sich in Entscheidungen, im Umgang mit Kunden und im täglichen Handeln widerspiegeln. Genau diese gelebte Haltung wird immer häufiger zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb.


RAECKSgreen und der BVB zeigen, was glaubwürdige Unternehmenskommunikation ausmacht: Handlungen, die für sich sprechen. Im ersten Fall nachweisbare Emissionsreduzierung in der Industrie statt grüner Claims. Im zweiten Fall Haltung, die nicht inszeniert ist, sondern zum Selbstverständnis der Marke gehört, von Fanprojekten bis zur Kinderbildung. Strategisch kluge Kooperationen können B2B-Unternehmen dabei unterstützen, die eigene Haltung zu untermauern und neue Zielgruppen anzusprechen.


Für B2B-Unternehmen lässt sich daraus ein klarer Grundsatz ableiten:
Erst handeln, dann kommunizieren und dabei nachvollziehbar, ehrlich und konkret bleiben. Wer Lücken benennt, Zahlen offenlegt und echte Menschen sprechen lässt, hat die Sympathien und Kund:innen auf seiner Seite. 

Zum Programm der B2B Communication Days

(Bild: Ian Schneider / Unsplash)