Neueste Insights und Trends in der B2B Kommunikation

Wenn die Website zu wenig qualifizierte Kontakte liefert, wird der Vertrieb schnell ungeduldig. Dabei liegt der Hebel weniger in der Zahl der Besucher als in der Frage, welche Unternehmen eigentlich dahinterstehen. Ich zeige, wie du passende Zielkunden unter den anonymen Besuchern deiner Website erkennst und qualifizierst. von Sascha Albrink, Geschäftsführer sixclicks GmbH Stell dir folgendes Szenario vor: Deine Website verzeichnet 10.000 Besucher im Monat, rund 1 Prozent davon füllt ein Formular aus, unter dem Strich bleiben 100 Leads. Sollen daraus 200 werden, brauchst du also 20.000 Besucher. Diese Rechnung steuert in vielen B2B-Unternehmen das gesamte Marketingbudget. Allerdings hat diese Rechnung auch einen blinden Fleck - oder eher ein großes schwarzes Loch: Die anderen 9.900 anonymen Besucher, die nicht konvertiert haben. Diese Menschen sprechen wir im B2B-Marketing immer noch viel zu wenig an. Dabei stehen hinter diesen Besuchen oft genau die Unternehmen, die gerade mitten im Kaufprozess stecken und daher für den Vertrieb relevant sind. Denn Kaufentscheidungen im B2B entstehen längst nicht mehr an einem Ort. Ein Einkaufsgremium recherchiert über Wochen verteilt: in Suchmaschinen, Fachmedien, Bewertungsportalen, LinkedIn-Kommentaren und in Gesprächen mit Kollegen. Die eigene Website ist in dieser Kette eine Station von vielen. Sie wird nicht selten gleich mehrfach besucht, von unterschiedlichen Leuten aus demselben Unternehmen, ohne dass sich jemand direkt durch einen Download oder eine Formular-Einsendung zu erkennen gibt. Im Reporting stehen Sitzungen, Klicks und Conversion-Rate oben – und kaum ein Report sagt, aus welchem dieser Klicks eigentlich ein Auftrag geworden ist. Wer die Conversion-Rate als feste Größe behandelt, kann daher auch nur an der Menge des Traffics drehen, um die Zahl zu erhöhen. Und wenn das Ergebnis nicht passt, steht als Vorschlag ein höheres Budget im Raum, weil diese Rechnung keine andere Variable enthält. Wie aus anonymen Besuchen Leads aus Unternehmen werden Inzwischen gibt es Werkzeuge, die aus anonymen Besuchen verwertbare Informationen machen. Sie erkennen Unternehmen, keine Personen. Ob der Geschäftsführer, eine Beraterin oder ein Praktikant geklickt hat, bleibt dabei vorerst offen. Technisch läuft das über ein Tracking-Skript auf der Website, das den Besuch mit Datenbanken abgleicht, die Unternehmenssignale bereitstellen, und dadurch den Besuch einzelnen Unternehmen zuordnet. Dazu kommt eine Bedingung, die in der Praxis über alles entscheidet. Erkannt wird nur, wo das Tracking im Consent-Banner freigegeben und aktiviert ist. Wer das nicht sauber aufgesetzt hat, sieht gar nichts. Und das Beste daran: Ein Unternehmen hat kein Recht auf den Schutz von personenbezogenen Daten und kann daher frei ermittelt werden. Die Website wird zur Vorauswahl Unter den erkannten Unternehmen lässt sich herausfiltern, welche zum idealen Kundenprofil passen. Damit ändert sich die Funktion der Website. Die Qualifizierung beginnt, bevor jemand ein Formular ausfüllt. Von hier aus lässt sich in drei Stufen arbeiten: Stufe 1: Die Erkennung: Welche Unternehmen waren auf der Website? Stufe 2: Die Qualifizierung: Die erkannten Unternehmen werden durch kleine Regelwerke und Algorithmen qualifiziert. Stufe 3: Die erneute Ansprache: Stufe drei synchronisiert die erkannten und qualifizierten Unternehmen als Zielgruppen an die Werbeplattformen zurück. Durch Retargeting-Kampagnen werden diese Unternehmen ganz gezielt angesprochen, etwa über einen Lead-Magneten wie ein Webinar. Meldet sich jemand aus einem dieser Unternehmen dafür an, schließt sich der Kreis. Das Unternehmen war da → hat bestimmte Seiten gesehen → eine Person hat sich gezeigt. Der Vertrieb bekommt einen vollständigen Datensatz. Ein Detail, das im Alltag mehr ausmacht, als es klingt: Wer konvertiert oder Kunde wird, fällt automatisch aus dem beworbenen Segment der qualifizierten Unternehmen. Es fließt kein Budget mehr in die Ansprache von Zielkunden, die bereits konvertiert sind oder nicht mehr im Kaufprozess stehen. Wo das Verfahren an Grenzen stößt Bis hierhin klingt das schlüssig, und deshalb gehört der unbequeme Teil dazu. Erkannt werden etwa 15 bis 25 Prozent der Besucher, je nach Tool und Zielgruppe. Die Rate steigt mit der Unternehmensgröße der Zielkunden, weil große Unternehmen eindeutigere Signale hinterlassen. Wer überwiegend Kleinstunternehmen adressiert, bleibt am unteren Rand dieser Spanne. Dazu kommen die Mindestgrößen der Plattformen. Eine Werbezielgruppe wird erst ab einer bestimmten Zahl an Unternehmen aktiv und automatisierte Gebotsstrategien brauchen eine Mindestzahl an Zielunternehmen, bevor sie zu lernen beginnen. Wer diese Schwellen einmal durchrechnet, landet bei einem Traffic-Volumen, das viele Mittelständler aktuell nicht haben. Genau diese Rechnung zeige ich in meinem Vortrag auf den B2B Communication Days. Warum sich der Einstieg ohne viel Aufwand trotzdem lohnt Stufe eins funktioniert unabhängig von allem, was danach kommt, und liefert bereits einen großen Mehrwert, ohne viel Budget zu mobilisieren. Denn im ersten Schritt braucht es keine große Kampagne und keine aufwändige Umstellung des Marketings. Ein Kunde von uns nutzt ausschließlich diese erste Stufe und übergibt 90 erkannte Unternehmen aus dem Zielkundenprofil an den Vertrieb, der von dort aus selbst weiterarbeitet. Ein anderer hat die zweite Stufe aufgebaut und zahlt rund 450 Euro pro qualifiziertem Lead aus der Wunschzielgruppe. Im Einzelpreis teuer, in der Abschlussquote deutlich besser, weil niemand mehr in die Qualifizierung gerät, der nicht hineingehört. Mir gefällt dafür ein Bild aus der Schifffahrt. Der Tanker muss nicht wenden, um herauszufinden, ob sich der Kurs lohnt. Du setzt ein Beiboot aus, das nachsieht. Kommt es mit einem Treffer zurück, bewegt sich der Tanker ein Stück. Kommt es leer zurück, hat es dich ein Beiboot gekostet. Am Ende steht die Rechnung vom Anfang wieder da, nur andersherum. Braucht dein Marketing wirklich mehr Besucher, oder braucht es zuerst eine Antwort darauf, wer schon da war? Wer die zweite Frage beantwortet, kauft Traffic danach anders ein. In Würzburg zeige ich die vollständige Mechanik, die konkreten Schwellenwerte und was passiert, wenn man sie unterschreitet. Dazu bringe ich Fälle mit. Einer davon ist in der ersten Stufe stehen geblieben, und das ist der lehrreichere. Zum Autor Sascha Albrink gilt als Pionier für Revenue Marketing im deutschsprachigen Raum. Sein Buch Think Marketing ReveNEW ist ein konkreter Denkanstoß für Entscheider, die B2B-Marketing endlich konsequent und systematisch auf Umsatz fokussieren wollen. Mehr Insights zum Thema teilt Sascha Albrink auf der Bühne der B2B Communication Days am 7. und 8. Oktober in Würzburg. Sein Vortrag läuft an Tag 1 um 16:30 Uhr im Marketer Lab. Hier geht’s zum vollständigen Programm.

Zwei Anbieter. Gleiche Spezifikation. Vergleichbarer Preis. Auf dem Papier ist die Entscheidung offen – in den Köpfen der Entscheider oft nicht mehr. Warum starke Marken im B2B genau diesen Unterschied machen und Vertrauen zum Wachstumstreiber wird, zeigt diese Keynote. Zwei Angebote, gleiche Spezifikation – und trotzdem eine klare Entscheidung Zwei Anbieter erfüllen das Lastenheft. Spezifikationen und Preise sind vergleichbar, beide Lösungen wirken überzeugend. Und trotzdem ist die Entscheidung im Raum oft längst gefallen, bevor die letzte Zahl diskutiert wurde. Denn im B2B werden nicht nur Fakten verglichen. Es werden Risiken abgewogen – von Menschen, die für ihre Wahl Verantwortung übernehmen. Genau hier beginnt die Kraft einer starken Marke: Sie schafft Vertrauen, reduziert Unsicherheit und macht ein Unternehmen zur naheliegenden Wahl, noch bevor alle Details geprüft sind. Warum Marke im B2B heute wichtiger wird B2B-Entscheidungen werden komplexer, digitaler und anonymer. Buying Center wachsen, Customer Journeys verlängern sich, viele Rechercheschritte laufen ohne Vertriebskontakt. Gleichzeitig gleichen sich technische Spezifikationen immer stärker an – und KI beschleunigt Recherche, Vergleich und Bewertung zusätzlich. Was bleibt, ist die Frage: Wem trauen Kunden zu, Komplexität zu reduzieren und Verantwortung zuverlässig zu übernehmen? Genau an dieser Stelle wirkt Marke. Sie entscheidet mit darüber, wer überhaupt in Betracht gezogen, angefragt und ernsthaft geprüft wird. Was eine starke Marke wirklich leistet Eine starke Marke differenziert, gibt Sicherheit und schafft Nähe. Sie macht ein Unternehmen erkennbar, wenn Produkte ähnlich erscheinen. Sie macht Entscheidungen begründbarer. Und sie hilft Kunden, einen Anbieter nicht nur als Lieferanten, sondern als verlässlichen Partner zu erleben. Damit ist Marke weit mehr als Kommunikation. Sie ist ein Vertrauensanker im Entscheidungsprozess – und oft genau der Faktor, der aus vergleichbaren Angeboten eine bevorzugte Wahl macht. Marke entsteht nicht im Logo – sondern in jedem Kontaktpunkt Was ein Kunde über eine Marke denkt, entsteht aus dem, was er erlebt: Beratung, Angebot, Lieferzeit, Dokumentation, Messeauftritt, Service oder Reklamation. Viele dieser Kontaktpunkte liegen nicht im klassischen Kommunikationsbereich. Genau deshalb müssen Unternehmen Markenerlebnisse konsistent gestalten. Marke wird nicht dadurch stark, dass immer mehr Content produziert wird. Marke wird stark, wenn ein Unternehmen sein Versprechen wiederholbar, verständlich und verlässlich erlebbar macht – über Regionen, Funktionen und Kanäle hinweg. Die Wirkungskette: von Vertrauen zu Wachstum Wenn Marke wirtschaftlich wirken soll, muss ihre Wirkungskette sichtbar werden: Vertrauen macht anfragbar. Präferenz erhöht die Gewinnwahrscheinlichkeit. Und aus Präferenz kann Wert entstehen – etwa durch stärkere Kundenbindung, bessere Durchsetzungskraft und langfristige Loyalität. Wie sich diese Logik in der Praxis messen lässt, zeigt die Keynote anhand eines Industriebeispiels – ohne Markenromantik, sondern mit Blick auf die Verbindung von Vertrauen, Präferenz und wirtschaftlicher Wirkung. Brand Premium: Wenn Marke zur Ergebnisgröße wird Marke lässt sich auch ökonomisch betrachten. Der entscheidende Punkt ist: Markenwert ist kein reiner Marketing-KPI. Er berührt Ergebnisrechnung, Preiswahrnehmung, Kundenbindung und Wachstum. Damit verändert sich auch die Sprache, in der Marketing über Marke sprechen muss. Reichweite und Sichtbarkeit bleiben wichtig. Auf Geschäftsführungsebene geht es aber zusätzlich um Wirkung: Welche Rolle spielt Marke für Präferenz, Vertrieb, Pipeline, Wiederkauf und Vertrauen? Marke wird führbar, wenn sie messbar wird Damit Marke geführt werden kann, braucht jede Stufe der Markenwertschöpfung wenige, klare Kennzahlen: Differenzierung, emotionale Bindung, Präferenz und Geschäftswirkung. Die Keynote zeigt, warum Markenkennzahlen erst dann wirklich relevant werden, wenn sie mit Geschäftskennzahlen verknüpft sind. Denn Marke wird führbar, wenn sie nicht isoliert berichtet wird, sondern als Teil der Wertschöpfung verstanden wird. Vom Kommunikator zum Markenführer Wenn Marke ein Vermögenswert ist, gehört sie an den Tisch, an dem über ihre Zukunft entschieden wird. Marketing kann Marke deshalb nicht nur betreuen. Marketing muss Marke mitführen – mit strategischer Klarheit, ökonomischer Sprache und dem Mut, Prioritäten zu setzen. Dazu gehört auch, Nein zu sagen: zu austauschbarer Kommunikation, kurzfristigen Einzelmaßnahmen und allem, was langfristige Konsistenz schwächt. Denn starke Marken entstehen dort, wo Führung, Kundenerlebnis und Kommunikation zusammenwirken. Was B2B-Unternehmen ab morgen anders machen können Drei Impulse stehen im Mittelpunkt: Marke gehört ins Zielsystem. Markenkennzahlen brauchen Geschäftskennzahlen an ihrer Seite. Und Konsistenz schlägt kurzfristige Kreativität. Wer Marke so versteht, macht sie vom Kommunikationsaspekt zum Wachstumstreiber. Für Marketer und Vertriebler in B2B-Industrieunternehmen bedeutet das: Marke ist kein Beiwerk. Sie ist wirtschaftlicher Hebel, Vertrauensanker und Führungsinstrument. Gerade dort, wo Entscheidungen komplexer und Angebote vergleichbarer werden, entscheidet Marke darüber, wer gehört, gewählt und langfristig bevorzugt wird. Dirk Miller ist Vice President Corporate Marketing bei WIKA. Er verantwortet globale Markenführung, Marketingstrategie und Corporate Communications und beschäftigt sich damit, wie Marketing messbar zum Wachstum im B2B-Industrieumfeld beitragen kann. WIKA ist ein weltweit führender Anbieter von Messtechnik. Das inhabergeführte Familienunternehmen steht seit 80 Jahren für Präzision, Verlässlichkeit und Innovationskraft, ist in über 50 Ländern präsent und beschäftigt mehr als 11.200 Mitarbeitende. Hier geht’s zum vollständigen Programm.

Wir vertrauen Gesichtern, Stimmen und Menschen. Doch was, wenn ein künstlicher Avatar näher an Unternehmen, Produkt und Expertise ist als der Mensch vor der Kamera? Ein B2B-Experiment über KI, Glaubwürdigkeit – und die Frage, was Authentizität künftig eigentlich bedeutet. Ein reales Gesicht ist noch kein Echtheitsbeweis Stellen wir uns zwei Werbefilme vor. Im ersten erklärt ein sympathischer Schauspieler ein technisch anspruchsvolles Produkt. Er ist ein echter Mensch, professionell ausgeleuchtet, überzeugend in Szene gesetzt. Vielleicht hat er das Produkt zehn Minuten vor Drehbeginn zum ersten Mal gesehen. Den Text hat jemand anderes geschrieben. Im zweiten Film spricht ein KI-generierter Avatar. Gesicht und Stimme sind künstlich. Die Inhalte stammen aber direkt aus dem Unternehmen: aus Marketing, Produktmanagement, Entwicklung oder Vertrieb. Sie wurden fachlich geprüft, kuratiert und bewusst formuliert. Wem vertrauen wir mehr? Unsere spontane Antwort dürfte häufig lauten: dem Menschen. Aber warum? Vertrauen wir dem Gesicht – oder der Herkunft des Wissens? Ist Authentizität eine biologische Eigenschaft des Absenders? Oder entsteht sie durch Kompetenz, Transparenz, Konsistenz und Haltung? Genau an dieser Stelle begann für uns bei GUTMANN Bausysteme ein Experiment. Null Follower, eine Idee und keine fertige Gebrauchsanweisung Im Dezember 2024 ging „Mark Ehting“ auf LinkedIn an den Start: ein KI-Influencer im B2B-Umfeld und eine digitale Stimme für GUTMANN. Sein erster Beitrag startete mit exakt null Followern – und erzielte direkt mehr als 1.000 Impressions. Das war interessant – aber noch lange keine Erfolgsstory. Einen genauen Plan gab es für Mark damals nicht. Für uns stand das Ausprobieren an erster Stelle. Welche Inhalte funktionieren? Wie reagieren Menschen auf einen transparent als KI erkennbaren Absender? Kann eine synthetische Figur komplexe B2B-Themen verständlich vermitteln? Und wie weit können wir mit einer solchen Figur kommunikativ eigentlich gehen? Das Experiment wurde in den letzten Jahren immer wieder aufgenommen und weiterentwickelt. Natürlichb gab und gibt es bewusst (und manchmal auch unbewusst) längere Pausen für Mark. Denn neben Innovation gibt es etwas sehr Reales: das Tagesgeschäft. Gerade in wirtschaftlich und global herausfordernden Zeiten bleiben notwendige Maßnahmen nicht liegen, nur weil die nächste KI-Anwendung spannend aussieht. Doch während Mark pausiert, pausiert die KI-Entwicklung nicht – das macht die Rückschau heute besonders interessant. Qualität verändert sich. Persönlichkeit braucht Konstanten. Wer ein KI-Video von Ende 2024 neben eine aktuelle Produktion stellt, braucht keine Folie über die Geschwindigkeit technologischer Entwicklung. Man sieht sie. Mimik, Stimmen, Lippenbewegungen, Bildqualität und ganze Szenen machen teilweise innerhalb weniger Monate enorme Sprünge. Gefühlt erscheint jede Woche ein neues Tool, das eine bisherige Grenze verschiebt. Für Marken entsteht daraus allerdings eine zweite, weniger offensichtliche Herausforderung: Konsistenz. Wenn technisch fast alles veränderbar ist, muss umso klarer sein, was nicht beliebig verändert werden darf. Wie sieht eine digitale Persönlichkeit aus? Wie spricht sie? Welche Themen vertritt sie? Welche Haltung zeigt sie? Was darf sie sagen – und wer trägt dafür Verantwortung? Ein einzelnes perfektes KI-Video macht noch keine Persönlichkeit. Wiedererkennbarkeit entsteht über Zeit. Durch Sprache, Verhalten, wiederkehrende Elemente – und durch eine nachvollziehbare Geschichte. Bei Mark gehört beispielsweise von Beginn an ein Satz fest dazu: „Stay positive“ beziehungsweise „Bleiben Sie positiv.“ Technische Qualität kann man kaufen. Identität muss man führen. Vom Avatar zur Experimentierfläche Mark ist für uns heute nicht auf ein Format festgelegt. Genau darin liegt ein Teil seines Werts für uns. Er kann Fachthemen und Produkte erklären, Veranstaltungen begleiten, moderieren, Interviews führen, KI- und Marketingthemen kommentieren, Inhalte aus dem Unternehmen aufgreifen, Architektur und Referenzen sichtbar machen oder neue Storytelling-Formate ausprobieren. Und manchmal darf es natürlich auch etwas verspielter oder mutiger werden. Das ist für eine B2B-Marke durchaus wertvoll. Nicht jedes Experiment, das Aufmerksamkeit erzeugen oder neue Erzählformen testen soll, muss sofort auf dem offiziellen Unternehmenskanal stattfinden. Eine klar erkennbare digitale Figur kann ein kontrollierter Raum sein, in dem Formate getestet werden, ohne die Unternehmenskommunikation beliebig zu machen. Mark könnte dabei erst der Anfang sein. Besonders spannend wird es dort, wo KI künftig unterschiedliche Zielgruppenperspektiven in Bewegtbild übersetzen kann – vom Planer über Architekten bis zum Verarbeiter. Nicht, um echte Experten oder reale Zielgruppenvertreter zu ersetzen, sondern um ihr Wissen, ihre Fragestellungen und ihre Perspektiven relevanter, persönlicher und in größerer Vielfalt zu vermitteln. Dabei geht es nicht darum, denselben Content für alle mithilfe von KI einfach billiger zu produzieren. Spannend wird es, wenn wir unterschiedliche Zielgruppen mit ihren jeweiligen Fragen, Perspektiven und Anforderungen individueller ansprechen können – und das in hochwertigem, mehrsprachigem Bewegtbild. Gleichzeitig erstreckt sich der Wirkungsraum der künstlichen Figur auch in die Realität. Inhalte von Mark werden von Menschen geteilt – beispielsweise von Kolleginnen und Kollegen aus dem Vertrieb oder von Kontakten aus Fachmedien. Umgekehrt greift Mark Inhalte realer Personen und des Unternehmens auf und verstärkt sie. Dann lautet die Frage plötzlich nicht mehr nur: Vertrauen Menschen einem KI-Influencer? Sondern: Wo entsteht Vertrauen eigentlich in einer Kommunikationskette aus Mensch, Marke, Fachwissen und KI? Vielleicht wird Glaubwürdigkeit in solchen Netzwerken nicht einfach wie ein Staffelstab von einem Absender zum nächsten übertragen. Vielleicht zirkuliert Vertrauen. Wenn der Mittler künstlich ist – wird die Botschaft dadurch künstlich? Werbung arbeitet seit jeher mit Mittlern. Schauspieler, Sprecher, Models und Influencer transportieren Botschaften, Wissen und Emotionen. Dass der Mensch vor der Kamera real ist, bedeutet nicht automatisch, dass er persönliche Erfahrung mit dem beworbenen Produkt besitzt. Bei einer künstlichen Figur ist es umgekehrt möglich: Der Mittler ist synthetisch, die Expertise hinter seinen Aussagen kann dennoch sehr real sein. Daraus entsteht ein Paradox, das uns bei GUTMANN zunehmend beschäftigt: Der Mensch ist echt. Seine Expertise möglicherweise nicht. Der Avatar ist künstlich. Seine Expertise möglicherweise echt. Natürlich macht das einen KI-Avatar nicht automatisch glaubwürdig. Im Gegenteil: Gerade synthetische Kommunikation braucht Transparenz. Wer steht hinter der Figur? Woher stammen Aussagen? Wer prüft sie? Welche Interessen vertritt sie? Und erkennt das Publikum, womit es zu tun hat? Vertrauen lässt sich nicht rendern. Auch nicht in 4K. Vielleicht werden wir Vertrauen deshalb künftig weniger allein an einem Gesicht festmachen – und stärker an der Herkunft des Wissens. Relevanz schlägt Flauschigkeit. Eigentlich. Ende 2024 hatte Mark übrigens eine ziemlich klare Meinung zu Cat Content: Aufmerksamkeit sei schön, aber Relevanz und Mehrwert seien wichtiger als Flauschigkeit. Dabei hätte man es belassen können. Nur entwickeln sich Geschichten manchmal anders als geplant. Und vielleicht gilt das sogar für die Geschichte einer künstlichen Persönlichkeit. Denn Persönlichkeit entsteht möglicherweise nicht dadurch, dass wir einer KI einmal eine perfekte Persona schreiben. Persönlichkeit entsteht durch Geschichte . Durch Kontinuität, wiederkehrende Eigenschaften, kleine Widersprüche – und durch das, was im Laufe der Zeit mit einer Figur passiert. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Mark von 2024 hätte Mark von heute vermutlich selbst einen Kommentar unter den Katzenpost geschrieben. Was das mit Katzen, Emotionen und der Frage zu tun hat, ob eine künstliche Persönlichkeit tatsächlich „authentisch“ sein kann, gehört zu den Dingen, die wir am 8. Oktober auf den B2B Communication Days genauer diskutieren sollten. Und dahinter steckt eine ernstere Frage: Muss der Mittler einer Emotion sie selbst empfunden haben, damit sie bei uns wirken kann? Nicht Mensch gegen Maschine Generative KI macht die Produktion künstlicher Bilder, Stimmen, Videos und Persönlichkeiten einfacher und zugänglicher als je zuvor. Manipulierte Bilder, inszenierte Wirklichkeiten und interessengeleitete Geschichten sind dabei keineswegs neu. Neu sind vor allem Geschwindigkeit, Zugänglichkeit und Skalierung. Damit wachsen die Möglichkeiten für gute Ideen ebenso wie für schlechte Absichten. Marketing war schon immer dann besonders spannend, wenn es die Grenzen des Machbaren auslotet – ohne die Grenzen des Vertretbaren aus den Augen zu verlieren. KI verschiebt das Machbare gerade rasant. Deshalb sollten wir lernen, diese Möglichkeiten zu verstehen, kritisch zu prüfen und verantwortungsvoll zu nutzen. Nicht jede technische Möglichkeit braucht einen Use Case. Aber jeder relevante Use Case braucht eine Haltung. Die Frage „Mensch oder KI?“ führt deshalb für mich in die falsche Richtung. In der Praxis entstehen längst hybride Kommunikationsketten: Menschen liefern Wissen, KI hilft bei Darstellung und Skalierung, Marken schaffen Kontext, reale Netzwerke geben Reichweite – und Menschen entscheiden am Ende, ob sie einer Botschaft vertrauen. Genau dort liegt für mich die spannendere Zukunft des Corporate Influencings. Mark Ehting ist für uns deshalb kein Experiment mit KI. Er ist ein Experiment mit Kommunikation. Nicht Persönlichkeit oder Pixel. Persönlichkeit plus Pixel. Redaktioneller Hinweis Beitrag zur redaktionellen Vorabkommunikation des Use Cases „Persönlichkeit plus Pixel – Wem vertrauen wir künftig?“ Hier geht’s zum vollständigen Programm.
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